Oft streiten wir aufgrund von scheinbar harmlosen Geschehnissen, die rein objektiv betrachtet gar nicht so schlimm sind.

Warum reagieren wir da oft über?

Was lässt unsere Emotionen so hochkochen, dass wir uns selbst nicht mehr unter Kontrolle haben?

Warum vergessen wir in diesen Situationen den guten Vorsatz, dass wir ab sofort nicht mehr so reagieren wollen?

Warum schaffen wir es nicht, das Problem in der Situation objektiv zu betrachten, es nicht persönlich zu nehmen?

Die Antwort ist: Weil uns das Verhalten verletzt und ein Gefühl in uns auslöst. Ein Bedürfnis von uns wird in diesem Moment nicht erfüllt.

Schauen wir uns einmal an was passiert:

Du bist zu Hause und freust dich auf einen gemeinsamen Abend mit deinem Partner/ deiner Partnerin. Du hast heute extra etwas anstrengendes mit den Kindern unternommen, damit sie sicher gut schlafen. Die Kinder sind auch schon im Bett. Heute hat wirklich alles prima geklappt. Du hast nur für dich und deinen Partner/ deine Partnerin noch etwas gekocht. Euer Lieblingsessen. In der Küche duftet es herrlich. Du stellst Kerzen auf den Tisch und dimmst das Licht. Endlich wieder ein gemeinsamer Abend zu zweit. Du kannst dich gar nicht mehr daran erinnern, wann ihr es das letzte Mal geschafft habt euch einen Abend nur zu zweit zu gönnen. Du machst noch schnell das Essen fertig und schaust auf die Uhr. Gleich ist es so weit. Um 19 Uhr kommt er/sie immer von der Arbeit nach Hause. Erwartungsvoll schaust du aus dem Fenster…

Um 19:10 Uhr bist du leicht genervt und rufst einmal an, doch es meldet sich nur die Mailbox.

Um 19:15 Uhr versuchst du es noch einmal und bist jetzt noch eine Spur genervter.

Um 19:20 Uhr der nächste Versuch – wieder nur die Mailbox. Du wirst langsam wütend…Wie kann dein Partner/deine Partnerin nur diesen schönen Überraschungs-Abend so versauen?

Um 19:30 Uhr machst du dir Sorgen – vielleicht ist etwas passiert? Ein Unfall? Sowas geht ja so schnell? Hoffentlich ist alles gut!

Um 19:35 Uhr parkt er/sie das Auto vor der Tür und kommt mit einem Lächeln im Gesicht zur Tür herein.

Du begrüßt deinen Partner/deine Partnerin mit den Worten: “Was soll das, warum bist du so spät? Wieso bist du am Handy nicht erreichbar? Ich habe extra gekocht für uns und einen schönen Abend vorbereitet und du versaust alles! Stell dir vor, es wäre was passiert, ich kann dich ja nicht einmal erreichen, wenn was ist, weil du einfach nicht abhebst!…”

Er/sie reagiert darauf mit den Worten: “Jetzt hab dich nicht so, war ja nur eine halbe Stunde. Du hast immer etwas zu nörgeln, nie kann man dir etwas recht machen. Ich habe wirklich keine Lust mehr auf deine schlechte Laune!” 

Dein Partner/deine Partnerin verschwindet in den Hobbyraum/Werkstatt/Wohnzimmer und ist ab sofort für dich nicht mehr ansprechbar und der Abend ist gelaufen.

Was ist rein objektiv betrachtet passiert:

Person 1 kocht, stellt Kerzen hin, dimmt das Licht und wartet.

Person 2 kommt nach Hause.

Es passiert also eigentlich genau das, was du geplant hattest.

Welche Punkte stören dich?

  1. das Zuspätkommen
  2. das nicht erreichbar sein

Welche Gefühle löst das in dir aus? Bist du traurig, verzweifelt, wütend, verletzt, verärgert, betrübt, entmutigt,…?

Welches Bedürfnis steckt dahinter? 

Das Bedürfnis nach: Geborgenheit, Wärme, Verbundenheit, Aufmerksamkeit, Gemeinsamkeit, Vertrauen,…

Wenn du deine Gefühle in Worte fassen kannst und dein Bedürfnis dahinter kennst, dann kannst du in der oben stehenden Situation in Zukunft anders reagieren.

Gehen wir nochmal an den Punkt zurück, an dem dein Partner nach Hause kommt.

Du sagst: 

“Du bist heute 30 Minuten später als ich erwartet habe von der Arbeit nach Hause gekommen.

Ich bin frustriert, weil ich mir einen gemeinsamen Abend gewünscht habe.

Kannst du bitte Bescheid geben, wenn du das nächste Mal später nach Hause kommst?”

Dein Partner/deine Partnerin sagt: “Ja, das mache ich.”

Ergebnis: Ihr habt einen schönen Abend.

Deine Aussage gliedert sich in 4 Punkte:

  1. Beobachtung: (“Du bist heute 30 Minuten später als ich erwartet habe von der Arbeit nach Hause gekommen.”)
  2. Gefühl: (“Ich bin frustriert!”)
  3. Bedürfnis: (“Ich habe mir einen gemeinsamen Abend gewünscht.”)
  4. Bitte & Lösungsvorschlag: (“Kannst du bitte Bescheid geben, wenn du zukünftig später nach Hause kommst?”)

Mit diesen 4 Punkten kommst du aus vielen Konflikten sehr einfach raus, noch bevor sie begonnen haben. Reflektiere dich selbst, überlege dir warum du so reagierst. Entdecke deine Gefühle und deine Bedürfnisse dahinter und kommuniziere sie! Noch einen Tipp zum Schluss: Wenn du vorher mit deinem Partner/deiner Partnerin über diese Art der Kommunikation gesprochen hast, dann fällt es auch ihm/ihr leichter hier entsprechend zu reagieren.

 

Viel Erfolg beim Umsetzen!